Rezension Christina Bauer Brot Backen mit Christina

Rezension

Christina Bauer
Brot backen mit Christina
Einfach gute Rezepte, die ganz sicher gelingen. Vom 20-Minuten-Brot bis zum Sauerteig
Löwenzahn Verlag, 1. Auflage 2019
168 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3-7066-2659-0
Preis: 24,90 €

Christina Bauer ist österreichische Bäuerin mit Viehwirtschaft, Mutter zweier Kinder und Bloggerin. Brot selber zu backen entstand bei ihr aus dem Wunsch heraus ihren Gästen etwas Besonderes bieten zu wollen. Hierbei wähnt sie sich im Spagat Kinder, Hof, Bloggen und Brotbacken unter einen Hut zu bringen.

Ihr vorliegendes Buch bietet Rezepte zum Brotbacken im Alltag für Menschen, denen es genauso geht, deren Freizeit knapp bemessen ist und das Brotbacken mehr nebenher geschehen soll. 50 sind es an der Zahl. Sie reichen von sehr „schnellen“ Varianten, über Brote mit Sauerteig als Vorstufe, bis hin zu Laiben, die viel Zeit zum Reifen mit auf den Weg bekommen.

Insbesondere bei den „schnellen“ Rezepten steht der Geschmack offensichtlich nicht im Vordergrund und ergeben Brote, die vermutlich so manchem schwer im Magen liegen. Die Menge an teigintern gebildeten vergärbaren Zuckern, den sogenannten Fodmaps, dürfte nahe ihres Maximums liegen. Stolze 33 Anleitungen ergeben meines Erachtens solche Brote und somit zwei Drittel der Rezepte des Buches.

Das es auch anders geht zeigt die Autorin in den Kapiteln „Brot mit Sauerteig“ und „Brote mit wenig Hefe und viel Zeit“. Hier bekommen die Teige über die Bereitung des Sauerteiges, als auch über lange Ruhezeiten die erforderliche Zeit um gut verquellen zu können sowie hierdurch angenhem elastische Krumeneigenschaften mit guter Frischhaltung erbacken zu können. Darüber hinaus können Aromen gebildet und die oben erwähnten, für viele Menschen schwerverdaulichen Fodmaps, durch getreideeigene Enzyme zu, für viele Menschen, bekömmlicheren Zuckern abgebaut werden.

Der allgemeine Aufbau des Buches ist gut strukturiert. Es enthält zahlreiche Fotos und lädt zum Schmökern ein. Das Inhaltsverzeichnis macht den Einstieg in das Buch leicht, ein alphabetisches Register vereinfacht die Suche nach einem speziellen Rezept.

Einige wenige Grundzutaten werden sehr kurz erläutert. Beim Thema „Salz“ wird sich ausschließlich auf die übliche Zugabemenge aus geschmacklichen Gründen beschränkt. Eine Erwähnung weiterer technologischer Eigenschaften, insbsondere auf seine Wirkung auf die kleberbildenden Eiweiße und somit auf die Backfähigkeit des Teiges, erfolgt nicht.
Ölsaaten, wie Sesam und Sonnenblumenkerne, werden als solche direkt in den Brotteig gegeben. Eine vorherige Verquellung wird weder erwähnt, noch in den Rezepten praktiziert. Auf das vorherige Anrösten wird gänzlich verzichtet. Hier bleiben gute und einfache Möglichkeiten für die Bildung von Geschmack und Saftigkeit des Brotes ungenutzt.

Die wichtigsten Utensilien zum Brotbacken werden in knappen Worten erwähnt.

Das Heranziehen eines eigenen Sauerteiges ist ausführlich beschrieben und mit zahlreichen Fotos erläutert. Auch die grundsätzliche Herstellung von Hefeteigen wird beschrieben.

Die „Über-Nacht-Gare-Teige“ werden weich geführt. Deren Aufarbeitung zu Brotteiglingen wird in Worten und mit Fotos erklärt. Ob die beschriebene Methode zu handwerklich ansprechenden Broten in Form und Lockerung führt, darf insbesondere bei den freigeschobenen Varianten, also den Broten, die ohne Form oder Topf gebacken werden, bezweifelt werden. Die im Buch beschriebenen Baguettes haben nichts mit den traditionellen französischen in Bezug auf Porung, Rösche, Aussehen und Aroma zu tun.

Weitestgehend unerwähnt bleibt die Formgebung der anderen Brote. Hier wird beispielsweise geschrieben „das Brot zu einem länglichen Laib formen“. Wie dies zu geschehen hat, damit insbsondere bei Broten ohne Backform oder Topf, ein gut gelockertes Brot erhalten werden kann, bleibt unerwähnt. Dies macht es insbesondere für Anfänger in Dingen Brot backen schwer.

Ebenfalls unerwähnt bleiben die Angaben nach Größe und Form des zu verwendenen Gärkorbes oder Topfes im jeweiligen Rezept. Hier wird der Anwender häufig alleingelassen.

Weiterhin wird erfreulicherweise im Allgemeinen Teil auf korrektes Abwiegen der Zutaten und rezeptgenaues Arbeiten hingewiesen. Auch die Dampfgabe beim Backen und das Vorheizen des Backofens wird erwähnt.

Leider wird darauf verzichtet auf die backtechnische Nutzung eines Backsteines in Bezug auf Lockerung, Rösche und Geschmack der Gebäcke ausdrücklich hinzuweisen. Erwähnt wird lediglich, dass bei Nutzung eines solchen das Vorheizen des Backofens länger dauert als die angegebenen 10-15 Minuten.

Gleich drei der beschriebenen Rezepte „Schokokranz“, „Nussstrudel“ und „Mini-Reindling“ sind völlig identisch. Hier handelt es sich um süße Gebäcke, die ohnehin mehr an Kuchen, als an Brot erinnern. Die ersten beiden Gebäcke unterscheiden sich lediglich in ihren Füllungen. Auch deren Aufarbeitung zum jeweiligen Produkt ist identisch. Das Rezept für den „Mini-Reindling“ unterscheidet sich nicht in der Rezeptur an sich, sondern in der Aufarbeitung. Diese ist lediglich etwas anders.
Nimmt man das Rezept „Rosinenbrot“ hinzu, handelt es sich gleich bei vier Rezepturen um Deckungsgleichheit. Dies macht volle acht Prozent aller Rezepte aus. Und beim Rosinenbrot kommen nur noch Rosinen zum Teig hinzu.
Für mich stellen diese Rezepturen lediglich Variationsmöglichkeiten für ein und den selben Teig dar. Ein solcher Teig wird auch Grundteig genannt. Etwas befremdlich finde ich, dass das selbe Teigrezept auch mal in anderer Reihenfolge der Zutaten angegeben wird. Warum das wohl so ist?
Bei der Vielzahl an zur Verfügung stehenden verschiedenen Getreideerzeugnissen, Wasser- und Buttermengen, ließen sich auf einfache Art und Weise eigenständige Rezepturen darstellen, bei derer sich die daraus hergestellten Produkte auch in geschmacklicher Hinsicht deutlicher unterscheiden würden und eigenständig wären.

Christina Bauer schreibt auf Seite 153 in ihrem Buch, dass ihr Regionaltät und Natürlichkeit extrem wichtig sind. Wie sich dies mit der Verwendung von Backpulver, wie beim „Bananenbrot“ geschehen, als alleiniges und rein chemisches Teiglockerungsmittel, vereinbaren läßt, erschließt sich mir nicht.

Dadurch, das zwei Drittel der Rezepte Brote ergeben, die aus meiner Sicht nicht zu gutem Brot führen, ist das Buch „Brot backen mit Christina“ meines Erachtens eingeschränkt empfehlenswert. Die nur kurzen Ausführungen zu den Zutaten, das empfundene überwiegend Alleingelassensein des Lesers beim Aufarbeiten der Teige zu Brotlaiben sowie das Fehlen von Angaben zu Größen bei verwendeten Gärkörben und Töpfen zum Brotbacken führen ebenso zu diesem Fazit.
Das die Autorin geschmacklich besseres und für viele Menschen bekömmlicheres Brot zu erbacken in der Lage ist, wird in den Kapiteln „Brot mit Sauerteig“ und „Brote mit wenig Hefe und viel Zeit“ gezeigt. Da die Anzahl an diesen Rezepten lediglich untergeordnet, der Allgemeine Teil auch nicht sehr ausführlich gestaltet ist und dazu einige Gebäcke lediglich Variationen eines Grundteiges sind, finde ich den Preis von 24,90 € als nicht ganz angemessen.

Mein Dank gilt der Firma Buch Contact, die mir das Buch zur Verfügung stellte und mich um diese Rezension bat.

Die Rezension „Christina Bauer Brot Backen mit Christina“ ist erstellt von André Hilbrunner, Gründer und Inhaber von Brotbackkunst– DER Backschule für professionelle Brotbackkurse und mehr – sowie professioneller Produktentwickler für natürliches Brot , Brötchen und Backwaren.

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